Die 60er Jahre gehören zu dem ereignisreichsten Jahrzehnt der Nachkriegszeit. Sie waren gekennzeichnet von der Revolte der 68er Generation, vom Bau der Berliner Mauer, der Ära John F. Kennedys und Konrad Adenauers, vom Vietnamkrieg, der Hippiebewegung, dem Prager Frühling und Woodstock. Diese Zeit des Umbruchs und Aufruhr wird uns heute – 40 Jahre

danach – vor allem in Fotografien nochmals gegenwärtig.

Will McBride, einer der führenden, international anerkannten Fotografen, schildert wie kein anderer aufrüttelnd die Ereignisse der damaligen Zeit. Seine Fotografien verknüpfen sich mit einem entscheidenden gesellschaftlichen Prozess in der alten Bundesrepublik. Es waren seine Bilder, die das Selbstverständnis einer ganzen Generation in Deutschland ausdrücken und zugleich im Gegenzug geprägt haben.

Will McBrides Bilder schreiben deutsche Fotogeschichte bei den Illustrierten Stern, Quick, Bunte, Life, FAZ. Für die Kult-Zeitschrift twen , unter dem legendären Art Director Willy Fleckhaus entstanden zudem Bildessays mit für die damalige Zeit als provokant geltenden Themen. Für die Reportage Mein Kind kommt fotografiert Will McBride seine schwangere Frau – 1960 ein Tabubruch. Ebenfalls für die Zeitschrift twen posierte Romy Schneider kurz nach ihrer Trennung von Alain Delon für Will McBride. Es entstand eine Bildsequenz voller Sinnlichkeit und Ausdruckskraft.

Die in der Ausstellung präsentierten 80 Fotografien von dem in Amerika geborenen und seit seiner Militärzeit in Deutschland lebenden Künstler zeigen sein ungewöhnlich breites fotografisches Spektrum von den 50er bis 90er Jahren. Zu sehen sind Portraits von Willy Brandt, Konrad Adenauer, John F. Kennedy, Romy Schneider, seiner Familie sowie Bilderzyklen zu Hermann Hesses Siddhartha , zum Gebet Vater unser , zum Berliner Mauerbau und zu dem Internat Salem, zum Musical Hair sowie dem Aufklärungsbuch für Kinder Zeig mal , das in den 70er Jahren zu scharfen kontroversen Diskussionen geführt hatte. Parallel zu den Auftragsarbeiten sind auch sehr persönliche Themen fotografisch festgehalten wie beispielsweise Impressionen aus seiner zweiten Heimat Italien und Bilder aus dem Fototagebuch über seinen verstorbenen Freund Ricky.

Neben der Fotografie beschäftigt sich Will McBride mit der Malerei und Bildhauerei. Die in der Ausstellung gezeigte Skulptur eines Jungen entstand in der Auseinandersetzung mit seinem großen Bildzyklus zu Hermann Hesses Siddhartha: „Ich denke, dass Siddhartha Hesses stärkster Einzelcharakter war. Was hat dies mit meinen Skulpturen zu tun? Wen ich könnte, würde ich – und ich versuche mein Bestes zu geben – meinen Jungen aus Bronze genau diese Größe zukommen lassen.“

Kennzeichnend für Will McBrides Arbeit ist die tiefgründige Auseinandersetzung und emotionale Nähe zu den Themengebieten: „Ein Fotograf sollte in seinen Bildern nur eine einzige Sache ausdrücken: sein ganzes Selbst“, äußerte Will McBride.