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Laufzeit: 18. Oktober 2002 - 26. Januar
2003
Wie verarbeiten Menschen schmerzliche
Ereignisse und gesellschaftliche Erschütterungen? Die Antwort auf diese
Frage hängt stark von den kulturellen Gegebenheiten jeder Epoche ab. Die
Grafikserien von Dix, Franck und Goya geben Einblick in den Umgang mit
Schrecken und Hoffnung. Die Grafiken stammen aus drei verschiedenen Jahrhunderten
und beschäftigen sich mit der Erschütterung durch den Krieg und seinen
Folgen in Europa. Es sind Grafiken, die zeigen, was der Mensch dem Menschen
antun kann. Und es sind Grafiken, die zeigen, dass es auch Hoffnung in
bitteren Zeiten gibt.
Unsere Gesellschaft verarbeitet singuläre
Ereignisse durch die Berichterstattung in den Medien. Je erschütternder
ein Ereignis, desto länger bestimmt es die Berichterstattung. Die Darstellung
im künstlerischen Bereich ist dann noch eine weitere Form individueller
Verarbeitung. In früheren Zeiten, als es Massenmedien noch nicht gibt,
sind mündliche und schriftliche Erzählungen sowie Grafiken die Mittel,
um ein Ereignis zu verarbeiten.
Die Grafiken des Kaufbeurers Hans Ulrich
Franck (1603 - 1674) entstehen im 17. Jahrhundert, das maßgeblich durch
den Dreißigjährigen Krieg geprägt wird. Francks Grafiken zeigen den Alltag:
Wirtshausszenen, Abschied, Streitende, Kampfhandlungen, Überfälle und
das Leben der Landsknechte. Franck zeigt das Leben und den Krieg als Schicksalsrad
- Glück und Leid liegen dicht nebeneinander. Bei Franck bleibt am Ende
die Hoffnung auf Erlösung durch den Glauben.
Der Spanier Francisco de Goya (1746 -
1828) verarbeitet in „ Los desastres de la Guerra“ den spanischen Befreiungskrieg
gegen Napoleon. In einem seiner Blätter bezeugt er „Yo lo vi“ (= ich habe
es gesehen) - der Ausstellungstitel. Goyas Grafiken berichten über das
Unmenschliche und das Menschsein an sich. Goya, der Wegbereiter der Moderne,
zeigt den Menschen als Opfer seiner selbst. Er entlarvt die Verblendung
des Menschen durch Glauben, Verführung und Propaganda.
Otto Dix (1891-1969), selbst als Kriegsfreiwilliger
Soldat, zeigt die Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges nach der Schlacht.
In nüchternen Bildern setzt er der heroischen Propaganda die Realität
des Krieges entgegen. Dix nimmt bewusst die Sicht der Opfer ein, er bezieht
Stellung zu den politischen und sozialen Verhältnissen seiner Zeit.
Obwohl die Bilder der Ausstellung aus
längst vergangenen Zeiten stammen, sind sie aktuell. Denn Kriege mit ihren
Bildern sind auch heute gegenwärtig. Und die Fragen, die sich heute vor
allem bei Fotografien und Filmen stellen, lassen sich auf die Grafiken
anwenden: Welche Beziehung besteht zwischen Schrecken und Schönheit,
zwischen Sympathie und Voyeurismus, zwischen Abscheu und Neugier?
Alle drei Künstler sind Zeugen eines
Krieges gewesen. Alle drei Serien zeigen keine fotografisch-naturalistische
Abbildung, sondern sie verdichten die Darstellung auf das in ihrer Zeit
Wesentliche. Die drei Grafikserien gehören auf ihre jeweils eigene Art
zu den großartigen Zeugnissen einer langen Tradition des Protestes gegen
die Unmenschlichkeit.
Informationen + Pressefotos
Annette Görlach und Hilke Gesine Möller, T. 08341 / 8644
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