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Die Stille der Dinge
Giorgio Morandi und Christina von Bitter


Ausstellung im kunsthaus kaufbeuren vom 25. November 2011 bis 4. März 2012

 

"Leere und Stille können sehr lebendig sein, nicht nur, weil es weder absolute Stille noch absolute Leere gibt, sondern auch weil der Mensch die Abwesenheit von etwas mit seiner Erinnerung und Vorstellungskraft in Anwesenheit verwandeln kann." Hanne Weskott


Zeichnungen mit unendlich ruhiger, fast meditaitver Ausstrahlung von Giorgio Morandi (1890 – 1964), einem der bedeutendsten Künstler der Klassischen Moderne, werden in dieser Ausstellung in einen Dialog gesetzt mit den fragilen, zu schweben scheinenden Plastiken der Münchner Künstlerin Christina von Bitter (*1965).

"Ich hatte das große Glück, ein ganz ereignisloses Leben zu führen", betonte der italienische Künstler Giorgio Morandi und dies mag erklären, weshalb sich die Bildsujets in seinen kleinformatigen Werken auf nur wenige Sujets wie Kannen, Flaschen, Dosen oder auch Landschaften beschränken. Die Stillleben zeigen immerfort dieselben Gebrauchsgegenstände in verschiedensten Arrangements, wohingegen sich Morandi bei den Landschaften auf seine unmittelbare Umgebung konzentriert – das Bologneser Umland bei Grizzana. Diese Reduktion auf ausgewählte Motive verleiht den Werken Kraft und kontemplative, stille Intensität. Eine Materialität der Dinge blendet Morandi völlig aus. Er vermeidet das Aufzeigen der Härte des Materials und der Beschaffenheit der Oberfläche.

Die Ausstellung präsentiert vor allem Zeichnungen der 1960er Jahre, aus dem Spätwerk des Künstlers, in dem auch die meisten Arbeiten dieser Technik entstehen. In dieser Zeit ist die Kunst Morandis, so Michael Semff, "zu äußerster Vereinfachung und Vergeistigung gelangt […] und erlangt einen höchsten Grad an Abstraktion, ohne jemals den Gegenstand preiszugeben. Morandis Linie prägt eine Empfindungskraft, die sich noch in den feinsten Valeurs der unterschiedlichen Tonwerte auf dem Papier niederschlägt." Morandi führt seine Werke formal in die Abstraktion, atmosphärisch schafft er zugleich eine gewisse Leere, aber auch eine Leichtigkeit der Dinge.

Zu einer offenen, licht- und luftdurchlässigen Art von Dreidimensionalität ist Christina von Bitter gelangt, als sie mit extrem leichten Materialien plastisch zu experimentieren begann. Die Ausstellung zeigt das vielfältige Werk einer Bildhauerin, die vorwiegend mit Papier und Draht arbeitet und deren Plastiken die Schwerkraft aufzulösen scheinen.

Die Gegenstände, die Christina von Bitter als Motiv für ihre Arbeit auswählt, verwandeln sich zu mehrdeutigen, poetischen Objekten. Schon nach wenigen Jahren ihrer Ausbildung und der Auseinandersetzung mit verschiedenen Materialien findet die Künstlerin ihre eigene Formsprache. Als 26-jährige Meisterschülerin von Lothar Fischer in der Akademie der Bildenden Künste, Berlin, experimentiert sie erstmals 1991 mit dem Werkstoff Draht und Papier. Seither entstehen die fragil wirkenden und häufig der Schwerkraft enthobenen Plastiken, die an Häuser und Flugobjekte, Musikinstrumente und Radioapparate sowie verschiedene Gegenstände des Alltags erinnern. Seit mehr als 15 Jahren gilt ihre besondere Zuwendung Kleidern und Corsagen, die in den unterschiedlichsten Größen – bis zu einer Höhe von 6 Metern – von der Pflicht des Bekleidens entbunden, ein völlig eigenständiges vom körperlichen Volumen befreites Leben führen. In kleiner Form begegnet man diesen Figurinen in den zahlreichen Bildkästen, die an Theaterbühnen erinnern. In ihnen entfaltet sich die ganze Poesie der künstlerischen Arbeit von Christina von Bitter.

Stille, Leichtigkeit, Leere sind für beide Künstler, die in gewisser Weise auch ihre Sujets teilen, von zentraler Bedeutung. Handelt es sich bei Morandi jedoch um einen Negativ- oder Leerraum zwischen den dargestellten Gegenständen, so sind es bei von Bitter die Hohlräume, die ihre Werke entscheidend mitdefinieren. Und während Morandi ein Aufzeigen von Oberflächenqualität vermeidet, ist die Oberfläche bei von Bitter von besonderer, nicht zuletzt ästhetischer Bedeutung: "Die Haut der Dinge" verleiht den Plastiken eine surreal anmutende Aura.

Das kunsthaus kaufbeuren dankt Herrn Morat vom Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft in Freiburg für die großzügige Leihgabe der Werke Morandis sowie der Künstlerin Christina von Bitter für den inspirierenden Austausch. Ein großer Dank gilt ebenso Dr. Pia Dornacher, Leiterin des Museums Lothar Fischer in Neumarkt, für die Freigabe des Ausstellungskonzepts.

www.christina-von-bitter.de

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Kurzinformation

Laufzeit

25. November 2011 bis 4. März 2012

Öffnungszeiten

Di – Fr 10 – 17 Uhr, Do 10 – 20 Uhr
Sa / So / Feiertage 11 – 17 Uhr, Mo geschlossen
Samstag, 24.12. + 31.12.2011 geschlossen
25.12., 26.12.2011 + 01.01., 06.01.2012 von 11 – 17 Uhr geöffnet

Eintritt

Erwachsene 6,00 €, Senioren 5,00 €, ermäßigt 3,00 €, Schüler 1,50 €

Konzept

Das kunsthaus kaufbeuren zeigt in modifizierter Weise die von Dr. Pia Dornacher konzipierte Ausstellung "Die sichtbare Stille" im Museum Lothar Fischer, Neumarkt i.d. Opf. (2008/09)

Leitung kunsthaus kaufbeuren

Susanne Flesche

Ausstellungs-
koordination

Karen Appel

Information + Presse

Annette Görlach-Wörl
mail@kunsthaus-kaufbeuren.de

Tel. 08341 / 8644

Veranstaltungen

Iris Endhardt, Annette Görlach-Wörl, Gerlinde Ossinger-Baur

Unterstützung

Stadtsparkasse Kaufbeuren,
verein freunde und förderer des kunsthauses kaufbeuren

 

Alle Abbildungen Copyright: VG Bildkunst, Bonn


Giorgio Morandi, Stillleben, 1958, Aquarell, 19,2x25 cm
Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft.


Giorgio Morandi, Stillleben, 1956, Bleistift, 17,9x20,7 cm
Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft.


Giorgio Morandi, Stillleben, 1963, Bleistift, 16,8x24,2 cm
Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft.


Giorgio Morandi, Landschaft, 1961, Bleistift, 24,1x16,7 cm
Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft.


Christina von Bitter, Ballonkleid, 2011


Christina von Bitter, Hermes 2003, Der Weltempfänger 1998, Leuchten im Klee 1998


Christina von Bitter, Huckepack, 2003


Christina von Bitter, Die Sehnsucht des Schuhs, 2001

Gemeinsam mit Künstlern


Himmelswesen – Workshop mit Anja Röhnelt-Kamm

Einfach in der Herstellung und sehr stark im Ausdruck sind die figürlichen Papier-Draht-Skulpturen (50-80 cm), die entstehen werden. Lassen Sie sich begeistern für eine Arbeitstechnik, die wenig Kraft und Übung von Ihnen verlangt und meditatives, künstlerisches Eintauchen ermöglicht. Gerne können eigene Sockel für die Figur mitgebracht (schönes Holzstück, Wurzel etc.) oder im Kurs einfache Arbeitssockel erworben werden.
Freitag, 9. Dezember 2011, 16 - 20 Uhr
Preis: 40 € inkl. Material (max. 10 Teilnehmer)
Anmeldung: kunsthaus kaufbeuren

Stilllebenmalen mit der Künstlerin Marina Lo Ré
Die Künstlerin Marina Lo Ré bietet einen Zeichen- und Malvormittag für Anfänger und Fortgeschrittene an. Sie lernen verschiedene Bilder in der Ausstellung genau zu betrachten und anschließend abzuzeichnen. Bitte mitbringen: Bleistifte in verschiedenen Härtegraden, Radiergummi, Spitzer und Schwamm, Bunt- und Aquarellstifte, Pastellkreiden, Wasserbehälter, ein Pinsel-Set und eine feste Unterlage für das Papier. Zeichenpapiergröße mindestens A3.
Samstag, 14. Januar 2012, 9.30 – 12.30 Uhr
Ort: kunsthaus kaufbeuren, Preis: 23 Euro inkl. Eintritt
Anmeldung: VHS Kaufbeuren, Spitaltor 5, 87600 Kaufbeuren, Tel. 08341/999690

Künstlergespräch und Lesung


Künstlergespräch "Räume der Seele. Die Leere ist kein Vakuum"

Künstlerin Christina von Bitter im Gespräch mit Dr. Rainer Jehl
Mit einfachen Materialien schafft Christina von Bitter Objekte, die nicht nur Räume umschließen, sondern durch ihre Präsenz im Raum diesen erst zum umschließenden Raum machen. Damit stellt sich die Frage von Grenze und Offenheit, von Drinnen und Draußen. Da die Objekte der Künstlerin Gegenstände unserer Alltagswelt assoziativ zitieren und auch wieder verfremden und transformieren, entsteht ein Spiel von Bezügen, welche die Phantasie und Erinnerungskraft der Betrachter in Bewegung versetzt. Wo aber Phantasie ist, sind auch Emotionen, Leidenschaften. Ihnen auf die Spur zu kommen, ist Ziel des Dialogs zwischen Dr. Rainer Jehl und Christina von Bitter.
Freitag, 3. Februar 2012, 19 Uhr, Eintritt ist frei

Lesung
Der Sprecher Helmut Becker, Bayerische Theaterakademie August Everding München, liest aus Philippe Jaccottet "Der Pilger und seine Schale. Giorgio Morandi". Er wird musikalisch begleitet vom Münchner Jazzgitarristen Geoff Goodman.
Freitag, 2. März 2012, 19 Uhr, Eintritt: 8 Euro

 
Kinder und Jugendliche


Mit Leichtigkeit (ab 6 Jahren)
Die Künstlerin Michi Gräper führt Euch durch die Ausstellung und gestaltet anschließend mit Euch und Eurer Phantasie Gebilde aus Draht und feinem Seidenpapier. Zum Trocknen bleiben Eure Werke eine Woche im kunsthaus und werden währenddessen im Foyerfenster ausgestellt.
Donnerstag 12.1.2012, 1.3., 15 – 16.30 Uhr, Samstag/Sonntag 14.1.2012, 12.2., 11.30 – 13 Uhr
Preis: 1,50 Euro (Eintritt) + 6 Euro (Kurs)

Workshop "Fliegende Objekte" (9-13jährige)
Nachdem Ihr die wunderbaren Flugobjekte der Künstlerin Christina von Bitter in der Ausstellung angesehen habt, bringt Euch Dr. Heinrich Eder die ersten Grundlagen und das Gefühl für den Zustand "Fliegen" bei. Ihr baut Modelle aus Styropor und Depron. Der Aktionstag endet mit einem Wettbewerb zwischen Euren "Schubsis".
Samstag, 25.2.2012, 9.45 – 15 Uhr
Ort: kunsthaus kaufbeuren, nach der Führung: Haus St. Martin, Spitaltor 4, 87600 Kaufbeuren
Preis: 1,50 Euro (Eintritt) + 6 Euro (Kurs) (max. 10 Kinder), bitte Essen und Trinken mitbringen

Kinder entdecken die Welt der Kunst (6 – 12jährige)
Mit unserer Pädagogin Isabella Kaulfuß gehen die Kinder auf eine spannende Entdeckungstour durch die Ausstellung. Es wird beobachtet, gesucht, geträumt und nachgedacht. Danach können die Kinder selbst gestalterisch tätig werden.
Samstag, den 10.12.2011, 28.1.2012, 18.2., 10 – 12 Uhr
Preis: 1,50 Euro (Eintritt) + 5 Euro (Kurs)

Führung für Schulen und Kindergärten
Eine interessante und spannende Führung, abgestimmt auf das jeweilige Alter, erwartet die Kinder mit Gerlinde Ossinger-Baur oder Sabine Eißeler. Je nach Altersstufe kann zwischen kreativer Arbeit zum Ausstellungsthema oder einem gemeinsamen Sprechen über die Kunst frei gewählt werden.

Führungen


Kunst & Speisen
Mittags, 3/4stündige Führung.
Donnerstag, den 1.12., 15.12., 29.12.2011, 19.1.2012, 2.2., 16.2., 1.3., um 12.15 Uhr

Abends & sonntags
Donnerstag, den 8.12., 22.12.2011, 12.1.2012, 26.1., 9.2., 23.2., um 18.30 Uhr
Sonntag, den 11.12.2011, 22.1.2012, 19.2., um 11 Uhr

Bei allen Führungen und Veranstaltungen bitten wir um telefonische Anmeldung.
Tel. 08341 / 8644